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Nächster Freizeit-Tandem Stammtisch am 24. September

Am Dienstag, den 24. September findet der nächste Freizeit-Tandem Stammtisch im Kölner Inside Cafe statt.

Es gab bei einem der letzten Stammtische den Wunsch, ein paar Gesellschaftsspiele mitzubringen, für alle die Lust darauf haben. Wer möchte, kann gerne Spiele mitbringen.

Für alle die neu sind, ein paar Worte über die Freizeit-Tandems:
Gemeinsame Interessen stehen hier im Mittelpunkt. Menschen, die nicht alleine am Kölner Kulturleben teilhaben wollen oder können, haben die Möglichkeit eine*n Freizeitpartner*in mit Gemeinsamkeiten zu finden. Einmal im Monat findet dazu ein Stammtisch im inSide Café statt. Hier können Neuinteressierte sowie bereits teilnehmende Menschen in gemütlicher Runde miteinander in Kontakt treten und sich für Veranstaltungen oder Unternehmungen verabreden. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an jung und alt und soll ein inklusives Miteinander fördern.

Die Stammtische finden immer jeden 4. Dienstag im Monat statt - 22. Oktober, 26. November.

Bei Fragen oder Anregungen: freizeit-tandems@jungestadtkoeln.de

Achtung - UN-Behindertenrechtskonvention in Gefahr!

Freiheit, Unabhängigkeit, ein selbstbestimmtes Leben – danach strebt ein Großteil aller Menschen. Der Wunsch sich nach den eigenen Vorstellungen entfalten zu können und ungehindert Entscheidungen zu treffen, bildet sich schon im Kindesalter, verstärkt sich in der Jugend und verschwindet mit zunehmendem Lebensalter nicht. Zweifelsohne fällt die Realisierung eines selbstbestimmten Lebens Menschen mit Behinderung in den allermeisten Fällen schwerer, als Menschen ohne Behinderung. Zu zahlreich sind die oftmals noch unüberwindbaren Barrieren, z.B. bestehend aus Vorurteilen und Diskriminierungen oder baulichen und kommunikativen Hindernissen.

Um diese Situation behinderter Menschen zu verbessern, wurde die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) erlassen, welche vor zehn Jahren von Deutschland ratifiziert wurde. Die Konvention konkretisiert die universellen Menschenrechte für Menschen mit Behinderungen und stellt klar, dass diese ein uneingeschränktes und selbstverständliches Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft besitzen. In wie weit unsere Gesellschaft diesem Ziel in den vergangenen zehn Jahren nähergekommen ist, lässt sich sicherlich kritisch hinterfragen. Doch ist die Umsetzung scharf zu kritisieren, jedoch nicht die UN-BRK selbst. Die UN-Behindertenrechtskonvention nimmt die Gesellschaft und vor allem die Politik in die Pflicht, die Barrieren, welche Menschen mit Behinderung an Teilhabe und Selbstbestimmung hindern, abzubauen.

So ist es nicht hinnehmbar, wenn die Politik sich gegen dieses Credo wendet und sogar versucht neue Barrieren für Menschen mit Behinderung zu errichten. Doch genau dies geschieht in Form des aktuellen Gesetzesvorhaben von Gesundheitsminister Jens Spahn für das Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz (RISG). Die häusliche Krankenpflege ermöglicht es pflegebedürftigen Patienten, vor allem aber auch behinderten Menschen, die auf eine dauerhafte Beatmung angewiesen sind, ambulant und damit in den eigenen vier Wänden zu leben. Mit dem nun vorgestellten Gesetzesentwurf soll hingegen die stationäre Unterbringung in speziellen Einrichtungen für alle “Versicherte mit einem besonders hohen Bedarf an medizinischer Behandlungspflege” zur Regel werden. Dies bedeutet einen tiefen Einschnitt in die Selbstbestimmung der betroffenen Menschen mit Behinderung. Damit steht der Gesetzesentwurf in krassen Wiederspruch zur UN-BRK, immerhin geltendes Recht in Deutschland.

Die Pläne des Gesundheitsministers sind nicht bloß theoretische Überlegungen im luftleeren Raum. Sie beeinflussen das Leben der betroffenen Menschen, bedeuten tiefe Einschnitte in persönliche Lebensplanungen und stellen Menschen mit Behinderung vor existentielle Entscheidungen. So auch Eva Maria Michels (34 Jahre). Zum Studium ist sie vor vielen Jahren nach Köln gekommen und lebte zunächst mit Assistenz im Studentenwohnheim. Auf Grund ihrer fortschreitenden Behinderung musste sie das Studium abbrechen, entschloss sich aber gegen einen Rückzug ins Elternhaus. Mit Hilfe des Persönlichen Budgets baute sie sich ein gut-funktionierendes Assistententeam auf, das passgenau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dank dieser Unterstützung war es Eva Maria Michels möglich, in der Stadt ihrer Wahl wohnen zu bleiben und ihren Freundeskreis nicht verlassen zu müssen. Sie lebt die vielzitierte Selbstbestimmung Tag für Tag, in Wohnen, Freizeit und vielen Bereichen mehr. Durch eine Zwangseinweisung würde Eva Maria Michels alle Selbstbestimmung, die sie sich jahrelang hart erarbeitet und erstritten hat, mit einem Streich genommen. Dies wäre für sie „kein lebenswertes Leben mehr“. Ihre Mutter ist überzeugt, dass eine derartig extreme Fremdbestimmung auch von allen nichtbehinderten Menschen, als krasses Unrecht erkannt werden muss.

Auch Nicole Andres (29 Jahre), EUTB-Beraterin und selbst von den potenziellen Auswirkungen des Gesetzesvorhabens betroffen, sieht ihr Recht auf Selbstbestimmung und das aller betroffenen Menschen mit Behinderung in Gefahr. Diese Befürchtung äußerte sie in einem vielbeachteten offenen Brief an Jens Spahn: „Der von Ihnen vorgelegte Gesetzesentwurf widerspricht Artikel 19 der UN-BRK, wonach alle Menschen, das Recht haben, zu entscheiden, wo und mit wem sie leben wollen und nicht gezwungen sind, in besonderen Wohnformen zu leben. Dafür sollen sie vom Staat die entsprechende Unterstützung erhalten. Deutschland hat die UN-BRK ratifiziert und sich dem Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung ausdrücklich verpflichtet. Die Artikel 1 und 11 des Grundgesetzes geben vor, dass die Würde des Menschen unantastbar ist und jeder Mensch das Recht hat, seinen Aufenthaltsort frei zu wählen. In Artikel 3 Grundgesetz wird ausdrücklich festgehalten, dass niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Ihr Vorhaben ist unter Betrachtung dieser Umstände nicht gesetzes- und menschenrechtskonform.“

Der Protest gegen das Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz ist groß, vielfältig und bundesweit. Petitionen, Demonstrationen und Stellungnahmen stellen sich ihm fast täglich entgegen. So auch die Stellungnahme des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben (KSL) für den Regierungsbezirk Köln, die detailliert und juristisch-präzise die Unannehmbarkeit des Entwurfs offenlegt. Ellen Romberg-Hoffmann, Projektleiterin des KSL Köln, bezieht klar Stellung: „Das RISG verstößt gegen die UN-Menschenrechtscharta. Deshalb widersprechen wir mit unserer Stellungnahme gegen diese Gesetzesvorlage von Jens Spahn. Des Weiteren unterstützen wir alle Menschen, die auf Beatmung angewiesen sind, bei ihrem Protest und der Um- und Durchsetzung ihrer eigenen Lebensziele, wie Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Unterstützen Sie dies und fordern Sie mit uns die Zurücknahme des Gesetzesvorhabens!“

Weiterführende Links:
Petition
Stellungnahme KSL Köln
Brief Nicole Andres
Stellungnahme KSL Detmold
Demonstrationsaufruf (20.09.2019, Düsseldorf)

Nordrhein-Westfalen tritt „Koalition gegen Diskriminierung“ bei

Nordrhein-Westfalen intensiviert seine Anstrengungen im Kampf gegen Diskriminierung.  Der stellvertretende Ministerpräsident und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp, unterzeichnete dazu am Dienstag in Düsseldorf  gemeinsam mit dem kommissarischen Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Bernhard Franke, die Absichtserklärung „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“. Ziel der Vereinbarung ist es, gemeinsame Anstrengungen gegen Diskriminierung zu organisieren, lokale Anlauf- und Beratungsstellen zu unterstützen und dafür Sorge zu tragen, dass der Schutz vor Diskriminierung in allen Bereichen politisch verankert wird.

„Mit der Unterzeichnung der Erklärung macht das Land deutlich, dass Antidiskriminierungspolitik Chefsache ist und setzt ein Signal gegen  Ausgrenzung und für Vielfalt“, sagte Franke nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung. „Besonders freut es mich, dass ab dem kommenden Jahr niederschwellige Beratungsangebote stärker gefördert werden sollen“, sagte Franke. „Auf längere Sicht würde ich mir wünschen, dass es in NRW eine eigene Landesantidiskriminierungsstelle gibt – die NRW-Nachbarländer Hessen und Rheinland-Pfalz sind hier ein gutes Beispiel“, sagte Franke. „Mit der Unterzeichnung setzen wir in Nordrhein-Westfalen ein deutliches Zeichen: Diskriminierung wird von uns nicht toleriert. Wir stehen für eine vielfältige und offene Gesellschaft. Gemeinsam mit der Koalition werden wir weiter für Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt kämpfen“, sagte Stamp.

Die Unterzeichner der „Offensive für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft“ machen mit ihrer Unterschrift deutlich, dass sie entschieden gegen Diskriminierung vorgehen wollen, Beratungsmöglichkeiten vor Ort verbessern und gemeinsame Strategien gegen Diskriminierung entwickeln wollen. Nach Berlin, Hamburg, Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Thüringen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Hessen und Sachsen ist Nordrhein-Westfalen das zwölfte Land, das die Absichtserklärung unterzeichnet hat und damit zur „Koalition gegen Diskriminierung“ zählt.

Diskriminierungen wegen des Alters, einer Behinderung, wegen der ethnischen Herkunft, wegen des Geschlechts, wegen der sexuellen Identität und wegen der Religion oder Weltanschauung sind in Deutschland nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz im Arbeitsleben und beim Abschluss von Verträgen verboten.

Eine volle Kaffeetasse.
Eine volle Kaffeetasse.

Quatsch-Café für Frauen mit Behinderung (ZsL Köln)

In gemütlicher Atmosphäre mit anderen Frauen klönen, sich austauschen, Spaß haben – das bieten wir allen interessierten Frauen regelmäßig an!

Der aktuelle Termin: 

Dienstag, 8. Oktober 2019 um 16 Uhr
in der Comedia, Vondelstr.4-8, 50677 Köln.

Damit wir besser planen können, melde dich unter info@zsl-koeln.de
oder telefonisch unter 0221 - 32 22 90 an.

Wir freuen uns auf Dich!
Barbara Combrink und Jeanette Severin

Schutz vor psychiatrischer Willkür

Patientenverfügung hilft medizinische Behandlung selbst zu bestimmen

Die Novellierung des Betreuungsgesetzes (§1901a BGB), in Kraft getreten am 01.09.2009, schafft mit der Patientenverfügung (PatVerfü) ein rechtsverbindliches Instrument, um sich effektiv gegen psychiatrische Willkür und Ent-mündigung zu wehren. Mit der schriftlich formulierten PatVerfü kann jeder Volljährige die gewünschte, medizinische Behandlung eingrenzen, wenn die Willensäußerung nicht mehr möglich ist. 

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Zwei Formen gibt es, die Bochumer Willenserklärung (BoWill) erlaubt psychiatrische Diagnostik, schränkt sie aber ein. Die PatVerfü lehnt jede psychiatrische Unter-suchung ab. Der Vorteil bei letzterem ist, das die psychiatrische Untersuchung als Einfallstor für Zwangsbehandlungen, wie z. B Zwangsmedikation oder Fixierung, und eine sog. „Betreuung“ gegen den Willen schon im Vorfeld unterbinden wird, denn:
Ohne Diagnose - keine Einweisung, keine Zwangs-Medikation oder-Betreuung!

Die Patverfü tritt in Kraft, wenn ich meinen eigenen Willen aufgrund z.B. eines Unfalls nicht äußern kann oder mir aufgrund der Vordiagnose „Psychische Erkrankung“ ein freier Willen abgesprochen wird, d.h. wenn ich als „einwilligungsunfähig“ gelte. 
Mittels Patverfü kann ich selbst bestimmen, welche zukünftige, medizinische Unter-suchung gelten. Zuwiderhandlungen sind eine strafbare Körperverletzung.
Wichtig ist es, die Patverfü unanfechtbar und rechtswirksam zu machen. 

Um die „Einwilligungsfähigkeit“ zweifelsfrei zu bestätigen, sind neben meiner eigenen 
Unterschrift ein ärztliches Attest und/oder eine notarielle Beurkundung sinnvoll und machen eine PatVerfü wasserdicht. Sinnvoll ist, die Patverfü mit einer Vorsorge-vollmacht zu vervollständigen und Personen meines Vertrauens aufzulisten, die für mich stellvertretend meinen Willen durchsetzen. 

Bevollmächtige vertreten mich in geschäftlicher oder rechtlicher Art und sind einem vom Gericht bestellten Betreuer vorrangig. Um individuelle Wünsche zweifelsfrei zu formulieren, ist es empfehlenswert, Beratungsstellen aufzusuchen. 
Für die psychiatrische Patienten-Verfügung beraten Psychiatrie-Erfahrene nun auch in der Anlaufstelle Rheinland, Köln.

Beratung in der Anlaufstelle Rheinland: 
Mo von 14.30-17.00 Uhr und 19.00-21.30 Uhr unter Tel. 0212 / 53 641 und 
Mo 16-19 Uhr, Mi 14-19 Uhr und Fr 16-19 Uhr unter Tel 0221 / -964 76 875

Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW (LPE NRW) 
Graf-Adolf-Str. 77, 51065 Köln-Mülheim
Tel.: 0221 / 964 76 875 
peer@psychiatrie-erfahrene-nrw.de
www.anlaufstelle-rheinland.de

 

EUTB Logo
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Infoabende: "Leben so wie ich es will" und "Pflegebedürftig - was nun?"

Die EUTB SL Köln bietet im letztes Quartal dieses Jahres zwei Infoabende im Rahmen des Programms der VHS Köln an:

LEBEN SO WIE ICH ES WILL - EIN INFOABEND ZUM SELBSTBESTIMMTEN LEBEN VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNG

Am 10. Oktober findet im Zeitraum von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr ein Infoabend zum Selbstbestimmten Leben von Menschen mit Behinderung an der Volkshochschule am Neumarkt statt.

Menschen mit Behinderung haben das Recht so zu leben, wie sie es möchten. Sie selbst entscheiden, wo und mit wem sie leben wollen. Wie macht man das? Welche Hilfen gibt es? Und wie kommt man zu diesen Hilfen?

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PFLEGEBEDÜRFTIG - WAS NUN? - EIN INFOABEND ZUM SELBSTBESTIMMTEN LEBEN VON MENSCHEN MIT PFLEGERISCHEM BEDARF

Am 6. November findet im Zeitraum von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr ein Infoabend zum selbstbestimmten Leben von Menschen mit Pflegebedarf an der Volkshochschule am Neumarkt statt.

Ein Unfall, eine Erkrankung oder das Alter - manche Menschen sind von Anfang an und andere erst im Laufe ihres Lebens auf pflegerische Hilfen angewiesen. Doch bis all diese Hilfen beantragt und beansprucht werden können, gilt es viele Fragen zu klären.

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Intensivpflege: Mehr Selbstbestimmung – nicht weniger

Deutsches Institut für Menschenrechte macht sich für Überarbeitung des Gesetzentwurfs zur Regelung der Intensivpflege (RISG) stark

Der vom Bundesgesundheitsministerium im August 2019 vorgelegte Entwurf für das Reha- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz (RISG) sieht vor, das Leistungsrecht zur medizinischen Rehabilitation und zur außerklinischen Intensivpflege neu zu regeln. Der Anspruch auf außerklinische Intensivpflege soll zukünftig für Erwachsene in der Regel nur noch in vollstationären Pflegeeinrichtungen oder spezialisierten Wohngruppen bestehen. Die Neuregelung sieht eine Intensivpflege in der eigenen Wohnung künftig nur in Ausnahmefällen vor.

Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des Deutschen Instituts für Menschenrechte begrüßt, dass die Bundesregierung vor dem Hintergrund bestehender Versorgungsdefizite bestrebt ist, die Situation von Menschen mit Intensivpflegebedarf zu verbessern sowie Fehlanreize in der Leistungserbringung und Missbrauchsmöglichkeiten zu beseitigen. Mit dem Ziel, Anreize für eine erfolgreiche Entwöhnung vom Beatmungsgerät zu schaffen, wird das wichtige Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) befördert, Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Ziel: Höchstmaß an Unabhängigkeit sowie volle Teilhabe an der Gesellschaft

Im Gegensatz dazu stehen jedoch der mit dem Gesetzentwurf geplante Rückbau der häuslichen Intensivpflegeversorgung und die hiermit verbundene Verpflichtung, die betroffene Person in der Regel stationär aufzunehmen. Eine solche Regelung würde einen tiefen Eingriff in die Selbstbestimmungs- und Persönlichkeitsrechte von Menschen mit Behinderungen bedeuten, insbesondere angesichts des in Artikel 19 der UN-BRK verbrieften Rechts von Menschen mit Behinderungen auf freie Wahl des Aufenthaltsortes und darauf, nicht zum Leben in einer besonderen Wohnform verpflichtet zu werden. In Anbetracht des die gesamte UN-BRK durchziehenden Prinzips der Selbstbestimmung ist es zudem irreleitend, wenn im Gesetzentwurf von "Fehlanreizen" gesprochen wird im Zusammenhang damit, dass das bislang bestehende Leistungssystem zu einer verstärkten Inanspruchnahme ambulanter Leistungen führe. Im Lichte der UN-BRK muss dies im Gegenteil ausgesprochenes Ziel staatlichen Handelns sein.

Dies gilt umso mehr, als sich der UN-Ausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen bereits 2015 in seinen Abschließenden Bemerkungen zum ersten Staatenbericht Deutschlands besorgt über den hohen Grad an Institutionalisierung gezeigt hat und die Förderung einer unabhängige Lebensführung gefordert hat.

Auch vor dem Hintergrund der sich aus Artikel 25 der UN-BRK ergebenden Gewährleistungsverpflichtung, notwendige spezielle Gesundheitsleistungen für Menschen mit Behinderungen bereitzustellen einerseits und des Diskriminierungsverbots andererseits bewertet die Monitoring-Stelle den Gesetzentwurf als äußerst kritisch. Die geplante Neuregelung würde faktisch unberücksichtigt lassen, dass sich auch in dieser Lebenssituation ambulante Pflegeleistungen unter Berücksichtigung der individualisierten Ausrichtung des Rechts auf Gesundheit günstiger auf den Gesundheitszustand und insbesondere auf die Unabhängigkeit und die soziale Teilhabe der betreffenden Menschen auswirken können. Dies könnte im Ergebnis zu einer Diskriminierung der betroffenen Personen aufgrund der Schwere ihrer Behinderung führen.

Eine Überarbeitung des Gesetzentwurfs ist dringend nötig. Dem menschenrechtlichen Partizipationsgedanken der UN-BRK zufolge müssen dabei Menschen mit Behinderungen frühzeitig und angemessen eingebunden und ihre Lebenswirklichkeit berücksichtigt werden.

Die Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention hat diese Position am 11. September in eine vom Bundesgesundheitsministerium durchgeführte Verbändeanhörung eingebracht.

18 werden mit Behinderung – was ändert sich mit der Volljährigkeit?

Donnerstag, 7. November 2019 um 18.30 Uhr
Ort: EUTB mittendrin e.V., Luxemburger Str. 189-191, 50939 Köln
Teilnahme kostenlos
Referent: Sebastian Tenbergen, bvkm

Mit 18 Jahren wird man volljährig und hat grundsätzlich die Rechte und Pflichten eines Erwachsenen. Der Infoabend gibt behinderten Menschen und ihren Eltern einen Überblick, was sich für sie mit dem Erreichen der Volljährigkeit ändert. Es geht um die Themen Selbstbestimmung, Betreuung, Grundsicherung, Unterhalt und Wohnen.

Der Veranstaltungsort ist für Rollstuhlfahrer barrierefrei. Wenn Sie eine Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache möchten, melden Sie dies bitte bis spätestens 1.11.2019 an unter info@mittendrin-koeln.de

Relaunch: www.bodys-wissen.de

Das Bochumer Zentrum für Disability Studies (BODYS) präsentiert seine neue Wissensplattform www.bodys-wissen.de !

Die Wissensplattform ist ein Service  für Wissenschaft, Lehre und Praxis - mit Materialien, Kontakten und Terminen rund um die UNBRK, Menschenrechte, Selbstbestimmt Leben und Disability Studies-Forschung.  

Mit dem Relaunch bietet www.bodys-wissen.de eine vereinfachte Suche über neue Rubriken und eine ständig wachsende Materialsammlung, z.B.:

  • Bibliothek: BODYS-Publikationen, Materialien aus BODYS-Veranstaltungen und -Schulungen, Videos und Audios
  • Selbstbestimmt Leben: KSL NRW, Organisationen, Termine, Materialien zu Art. 19 UNBRK
  • Menschenrechte: Zugang zum Archiv der UNBRK, Umsetzung der UNBRK und Materialien aus der UN und UN-Organisationen zum Thema Behinderung

*** STOPPT DEN SPAHN-SINN ***

Aufruf zur Demonstration gegen das RISG (Rehabilitations- und Intensivpflegestärkungsgesetz)
Freitag, den 20.09.19 um 17:00 Uhr auf dem Bertha-von-Suttner-Platz hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof

von Nicole Andres, EUTB-Beraterin Dortmund

 

Worum geht es?

Ein aktuelles Gesetzesvorhaben von Gesundheitsminister Jens Spahn sieht vor, dass beatmete Menschen zukünftig regelhaft in stationären Einrichtungen untergebracht werden, um sie dort professionell versorgen zu können. Ein Leben im häuslichen Umfeld mit Angehörigen und Freunden soll – auch aus Kostengründen - nur noch in besonderen Ausnahmefällen möglich sein. Bei der Prüfung soll die Einschätzung der Krankenkasse maßgeblich sein. Das Recht, mit ambulanter Intensivpflege zu Hause zu leben, soll vorzugsweise Menschen zustehen, die bereits aktiv am sozialen Leben teilhaben.

 

Unser Anliegen

Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf dürfen nicht gezwungen werden, in einer stationären Einrichtung zu leben. Sie haben das Recht, selbst zu entscheiden, wo und mit wem sie leben möchten. Dafür muss ihnen das Recht auf ambulante Intensivpflege uneingeschränkt erhalten bleiben. Dafür kämpfen wir!

 

Aufruf zur Demonstration

Wir planen für Freitag, den 20.09.19 um 17:00 Uhr eine große Demonstration auf dem Bertha-von-Suttner-Platz hinter dem Düsseldorfer Hauptbahnhof. Eingeladen sind alle Betroffenen, Angehörige, Pflegekräfte und Interessierte, die mit uns für die Rechte von Menschen mit Behinderung, insbesondere Beatmungspatienten, kämpfen möchten. Es wird voll, laut und stark. Wir geben unser Signal mit Stimmen, Plakaten, Postern, Flyern, Trillerpfeifen, Ketten und allem, was Aufmerksamkeit erzeugt. Auch Familien und Kinder sind herzlich eingeladen. Nutzt den Messetag auf der RehaCare gerne für unsere anschließende Aktion. Wir brauchen JEDE Unterstützung!!!