Die Auftaktveranstaltung am 26.04.2018 im Wissenschaftspark Gelsenkirchen war ausgebucht und bescherten der NRW-weiten Kampagne zum Persönlichen Budget einen hervorragenden Start! „Es lohnt sich“, ist sich auch Pierre Rangosch sicher – und er ist nicht der Einzige. Im Rahmen der Fachtagung zum „Persönlichen Budget“ wurden  im Wissenschaftspark Gelsenkirchen unter anderem die Chancen und Möglichkeiten des „Persönlichen Budgets“ diskutiert.

Dabei kamen auch mehrere Nutzer*innen dieser Form der Leistungsgewährung ausführlich zu Wort und schilderten ihre Erfahrungen. „Das ‚Persönliche Budget‘ ist ein jahrzehntealtes Konzept – es war bislang nur sehr gut versteckt“, weiß Stephanie Franken von der Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget e.V.. Mit „Persönliches Budget“ ist gemeint, dass ein Teil oder auch sämtliche Leistungen, die ein Mensch mit Behinderung erhält, also zum Beispiel ein Pflegedienst, die Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen oder ein Fahrdienst, in Geld ausgezahlt bekommt. Mit diesem „Budget“ kann er oder sie dann selbst bestimmen, wer, wann hilft und wie und wo er oder sie wohnen möchte und dementsprechend Dienstleister beauftragten.

„Das hat mit Würde zu tun“, findet Eva Kerstin-Rader, die ebenfalls ein Persönliches Budget erhält, um ihren Beruf auszuüben. Für die selbstständige Bestatterin ist die Arbeitsassistenz, die sie mit dem „Persönlichen Budget“ finanziert, Voraussetzung für ihre Berufstätigkeit. Ein großer Vorteil ist dabei vor allem die flexible Handhabbarkeit des Instrumentes „Persönliches Budget“, das eine möglichst passgenaue und individuelle Lösung im jeweiligen Bedarfsfall vorsieht.

Dies wiederum stellt allerdings so manchen Kostenträger vor Herausforderungen: „Wir wissen, dass die Verwaltungsroutine im Antragsverfahren zum „Persönlichen Budget“ ein Rolle spielt“, geben Bianca Esch vom Landschaftsverband Rheinland und Andrea Arntz vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in ihrem Vortragsteil auch unumwunden zu. Doch die beiden Frauen machen auch deutlich: „Wir stehen hier, weil wir das ‚Persönliche Budget‘ fördern wollen – also, reden Sie mit uns“.

Das haben die KSL in NRW gerne aufgegriffen und haben daher gemeinsam mit den Landschaftsverbänden die „Praxisdialoge“ ins Leben gerufen, die den auf dieser Fachtagung begonnenen gemeinsamen Diskurs fortsetzen und vertiefen sollen. „Kostenträger, Leistungserbringer, Berater und Budgetnutzer sollen dann vor Ort Maßnahmen entwickeln, die das Persönliche Budget als gute Alternative zur hergebrachten Leistungsgewährung stärker in das Bewusstsein aller Beteiligten bringt“, beschreibt Anke Schwarze, Leiterin des KSL Münster die damit verbundene Erwartungshaltung.

„Ich habe erst sehr spät vom Persönlichen Budget erfahren und ich möchte, dass sich das ändert“, sagt auch Eva Kersting-Rader, deren Geschichte nun unter anderem Teil einer Wanderausstellung der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben in NRW geworden ist - Werbung für eine andere Art der Leistungsgewährung und letztendlich für einen anderen Umgang mit Menschen, die auf Hilfen angewiesen sind.

Das Bild zeigt das Logo der Kampagne.
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